Extremes Wetter ist hierzulande immer häufiger ein Thema. Unerwartet schwere Schneefälle, heftige Stürme, immer längere Dürreperioden, neue Hitzerekorde, schwere Hagelschauer sowie Überschwemmungen und Starkregen-Ereignisse nehmen gefühlt von Jahr zu Jahr zu. Dies führt zu steigenden Schäden, die vor allem Gebäude betreffen. Ist also ein Umdenken in der Bauplanung erforderlich, um Bauwerke fit für Extremwetter-Ereignisse zu machen?
Durch welche Wetter-Ereignisse drohen Schäden an Bauten?

Sie führen zu Überflutungen oder schlimmeren Ereignissen wie der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal 2021. Aber auch kleinere Regen- und Flutvorfälle sorgen regelmäßig für Gebäudeschäden. Schnee kann ebenfalls zu einer Bedrohung für Bauten werden. Extreme Schneefälle belasten Dächer, die nicht für diese Lasten ausgelegt sind, und führen zu Beschädigungen. In Bergregionen kann der Schneefall in Kombination mit schwankenden Wetterlagen Lawinen auslösen. Diese bedrohen ebenfalls Gebäude.
Bei der Wohngebäudeversicherung werden Schäden dieser Art in der Klasse „Elementar“ zusammengefasst. Statistiken zeigen, dass Schäden durch Naturgewalten zunehmen. Gerade in Jahren mit besonders extremen Ereignissen müssen die Versicherungen hohe Summen für den Schadenaufwand leisten. Lag im Jahr 2005 die gesamte Schadenssumme bei rund drei Milliarden Euro, so waren es im Jahr 2021 mehr als zehn Milliarden Euro.

Zum einen sind Gebäude immer komplexer geworden. Das Resultat sind der Einsatz von teureren Materialien und eine schwierigere Behebung von Schäden. Zum anderen kommt in der jüngeren Vergangenheit immer mehr empfindliche Technik im Umfeld von Gebäuden zum Einsatz. Dazu gehören vor allem Photovoltaik-Anlagen und Wärmepumpen, die im Außenbereich installiert und somit den Witterungsverhältnissen ungeschützt ausgesetzt sind. Für diese Anlagen ist Hagel eine enorme Bedrohung.
Ein Hagelschauer kann eine gesamte Photovoltaik-Anlage in Minuten zerstören und so Schäden von mehreren tausend Euro verursachen. Indirekt bedrohen auch Stürme diese Technik und Gebäude allgemein. Es sind vor allem umstürzende Bäume, die für Schäden verantwortlich sind.
Mit welchen Maßnahmen lassen sich Schäden durch Extremwetter minimieren?
Es gibt eine Reihe von Aktionen, mit denen sich Gebäude besser vor Extremwetter-Ereignissen und den dadurch hervorgerufenen Schäden schützen lassen.

Ein weiterer Punkt ist die verbesserte Dämmung von Gebäuden. In erster Linie sind dies Maßnahmen für den Winter, aber eine gute Dämmung dient im Sommer auch als Hitzeschutz. Auch die Umgebung von Gebäuden ist wichtig und muss entsprechend in die Planung einbezogen werden. Bäume spielen dabei auf vielen Ebenen eine wichtige Rolle. Vor allem geht es um den Hochwasserschutz.
Bäume befestigen Ufer und Bereiche, die von Sturmfluten bedroht sind. Zudem sind Bäume in der Lage, große Mengen an Wasser aufzunehmen und so gerade über die Jahreszeiten eine Rolle im Wassermanagement zu spielen. Gleichzeitig entschärfen Bäume Stürme und schützen so Gebäude. Eine weitere wichtige Funktion ist der Hitzeschutz in Städten. Bäume kühlen die Umgebungsluft über die Verdunstung in den Blättern und spenden Schatten, der eine Überhitzung von Beton- und Asphaltflächen verhindert. Eine ähnliche Rolle spielt die Dach- und Fassadenbegrünung. Mit diesen Maßnahmen lässt sich ein effektiver Hitzeschutz für ein Gebäude aufbauen. Gleichzeitig bietet dies auch einen gewissen Schutz vor extremen Wettereinflüssen wie Starkregen oder Hagel.

Zunehmend wichtig ist es auch, Dächer robuster zu konstruieren. Es sollten höhere Schneelasten kalkuliert werden, um Schäden durch extreme Schneefälle zu vermeiden. Um Sturmschäden zu vermeiden, ist bei Dachsanierungen darauf zu achten, dass Ziegel und die gesamte Eindeckung sturmsicher befestigt sind. Ebenso sinnvoll ist der Einsatz von hagelresistenten Dachmaterialien. Selbst Lichtplatten aus Polycarbonat sind inzwischen schlagzäh verfügbar und nehmen durch Hagel praktisch keinen Schaden. Die Widerstandsfähigkeit ist anhand der Hagelwiderstandsklasse identifizierbar, die von Klasse 1 bis 5 reicht. Entsprechende Materialien sind im Sortiment von Hagebau erhältlich.
Selbst Photovoltaik-Anlagen lassen sich so vor Hagelschäden schützen. Es gibt inzwischen hagelbeständige Module mit Doppelglas und Folienschutz der Klasse HW 4 oder 5, die sogar Hagelkörnern mit einem Durchmesser von 40 mm standhalten. Für Wärmepumpen gibt es spezielle Verkleidungen. Sie schützen die teure Technik der Außengeräte nicht nur vor Hagel oder fallenden Ästen, sondern sind gleichzeitig auch ein wirksamer Diebstahlschutz.
Welche Rolle spielt die Städteplanung?
Ein Schutz vor Extremwetter-Ereignissen ist nicht nur mit individuellen Maßnahmen zu stemmen, sondern braucht ein großes Gesamtkonzept. Dabei spielt die Stadtplanung ebenfalls eine wichtige Rolle. Als Beispiel ist die Baumpflege zu nennen, die in den Aufgabenbereich der Kommunen fällt. Ein regelmäßiger Schnitt und Abtransport von Altholz verhindern, dass bei Sturm oder Extremregen-Ereignissen das Holz zur Gefahr wird.



Weiterhin sind Städte gefragt, Hitzekonzepte zu entwickeln. Dazu gehören auch passive Ansätze. Eine Option sind Kaltluftschneisen, also Korridore, die durch die gezielte Gestaltung von Straßen und Grünzonen im Stadtbereich entstehen. Sie dienen der Abführung erwärmter Luft aus dem Stadtkern.
Was bedeuten diese Veränderungen für Handwerker und Bauunternehmen?
Schäden durch Unwetter und Extremwetter-Ereignisse sind für Handwerker und Bauunternehmen vor allem mit Aufträgen verbunden. Damit sind einerseits Reparaturen und Instandsetzungen an Gebäuden sowie Infrastruktur gemeint, die beschädigt sind. Andererseits geht es auch um Sanierungen und Neubauten, bei denen veränderte Anforderungen zur Anwendung kommen, um Gebäude besser auf extreme Wettereinflüsse vorzubereiten.
Betriebe, die sich darauf spezialisieren, solche Sanierungen und Bauten umzusetzen, können also von zunehmenden Aufträgen profitieren. In diesem Bereich wird es in Zukunft sicherlich ausreichend Arbeit und Aufträge für das Handwerk geben. Dabei ist es wichtig, sich spezifisch mit den verschiedenen Bedrohungen auseinanderzusetzen und praktische Lösungen für jede Gefahrenquelle zu finden.